Unsere Pressemitteilung zu den neuen Bauplänen

Unsere Pressemitteilung zu den neuen Bauplänen

Bonns nächster Bauskandal steht in den Startlöchern

Am 20.5. fand im Sportausschuss die offizielle Vorstellung der überarbeiteten VEBOWAG-Pläne für den geplanten Wohnkomplex im Melbbad statt. Die im März als „Kompromiss“ angekündigten Pläne unterscheiden sich allerdings in ihrer Massivität kaum von den im letzten Sommer vorgestellten Entwürfen und lösen bei genauerem Hinsehen keines der zu erwartenden Probleme. Der 110 m lange Bau ist mit Technikaufbauten stellenweise immer noch bis zu fast acht Stockwerke hoch: Man stelle sich allein eine Seite des “nur” sechsstöckigen Landesbehördenhauses in seiner Länge und Höhe im Melbbad vor! 

Die neuen Pläne bringen weitere Nachteile für das Bad mit

Der Wohnkomplex würde nun weiter in den Hang gesetzt, so dass noch mehr der Bäume gefällt werden müssten, die den Charme des Bades ausmachen. Das Gebäude bekäme aus Lärmschutzgründen über die komplette Gebäudelänge ein 4 m tiefes Vordach, welches es noch näher an das Becken rücken würde, als ursprünglich geplant. Viele der Parkplätze des Melbbades müssten wegfallen. Der Bau soll mit Gutachten zu Lärmimmission, Kaltluft und Verschattung ermöglicht werden, die viele Ungereimtheiten aufweisen. Wir sind gespannt auf die Antwort der Stadt bezüglich der Großen Anfrage, ob es richtig ist, dass die Klimaleitstelle Bonn das Kaltluftgutachten nicht akzeptiert. Wir widersprechen auch der Argumentation heftig, dass die neuen Pläne das Schattenproblem lösen würden. Der harte Schatten eines Gebäudes ist nicht mit dem durchlässigen Schatten von Bäumen zu vergleichen – die Bäume könnten nach Jahrzehnten des Wachstums, im Gegensatz zum Gebäude, auch beschnitten werden. 

Drohende Lärmklagen und jetzt doch Balkone

Die künftigen Bewohner*innen sollen außerdem gegen Freibadlärm ihre Fenster im Sommer geschlossen halten und nur über eine Belüftungsanlage Frischluft bekommen – was mit Blick auf ein Freibad besonders grausam erscheint. Die Stadt behauptet, dass sie Lärmklagen durch Mietverträge ausschließen würde – dies ist von uns juristisch geprüft worden und schützt vor Klagen nicht. Des Weiteren würde man als Badegast aus einer nahen Fensterfront und von Balkonen beobachtet werden – Balkone, die selbst der Oberbürgermeister bisher “nicht für sinnvoll” hielt. Es ist ein entscheidender Unterschied, ob man sich in Badekleidung gegenseitig im persönlichen respektvollen Kontakt miteinander wahrnimmt und austauscht oder sich anonym beobachtet fühlt. Auch in einer Sauna kann man sich gemeinsam entspannen, möchte aber trotzdem nicht von Außenstehenden durch das Fenster hindurch beobachtet werden.

Kostenexplosion zu befürchten

Der Verkauf des zukünftigen Baugeländes an die VEBOWAG soll Geld in die Stadtkasse spülen, das dann angeblich für die Neuausstattung des Bades genutzt würde. Allerdings ist zu erwarten, dass die Kosten des Baus derart explodieren werden, dass vom Grundstückspreis nichts übrigbleiben wird. Wir erinnern uns an die unerwarteten Kosten über eine Millionen Euro, die 2009 beim Anlegen des vergleichsweise kleinen Schwallbeckens entstanden sind: Zusatzkosten durch Altlasten-Probleme, für das Setzen von 13 Bohrpfählen und gegen den Hangrutsch. Trotz dieser Investitionen sollte bald danach das Melbbad geschlossen werden.

Was bleibt für das Bad übrig, wenn die Stadt in die nächste Kostenfalle tappt?

Bei dem geplanten Wohnkomplex sind mit den gleichen Problemen und einem Vielfachen der versteckten Kosten zu rechnen, die die Stadt dann als Residualkosten übernehmen werden muss. Wird die Stadt nach der aktuellen Wirtschaftssituation in ein paar Jahren in der Lage und bereit sein, mehrere Millionen Euro auszugeben? Diese würden für Neuanschaffung und Einrichtung von dann bereits entsorgter Technik benötigt werden, die eigentlich noch Jahrzehnte genutzt werden könnte, sowie für neue Umkleiden, Duschen, Eingangsbereich und Kassenhäuschen des Melbbads.

Sanierung mit Zukunftsperspektive statt Wohnkomplex als Fass ohne Boden

Falls der Bau realisiert würde, müsste die Kommune außerdem die von der VEBOWAG neu errichteten Rohbauten für das Bad zurückkaufen, um sie ausbauen und nutzen zu dürfen. Absurd, wenn man bedenkt, dass im Bad bereits alles Nötige vorhanden ist, nur saniert werden müsste und dafür längst 1,5 Millionen Euro im Haushalt eingestellt sind. Wir kämpfen weiterhin dafür, dass das Geld auch genau dafür verwendet wird. 

Es würde mit diesem Projekt nach unserem Kenntnisstand deutschlandweit ein Präzedenzfall geschaffen mit bisher unvorhersagbaren Problemen sozialer, juristischer und finanzieller Art. Bonns nächster großer Bauskandal steht in den Startlöchern und diesmal steht das laut Bädergutachten beliebteste Freibad der Stadt auf dem Spiel. 

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3 Kommentare

  1. 1. Wenn zeitgleich Demos und Beschwerden gegen Neubauten aus dem „Margarineviertel“ /Friesdorf, sowie Aktionen gegen Bebauung Messdorfer Feld laut werden(wo evtl.noch?), sollten sich diese Initiativen zusammenschließen und gegen die Bauwut in Bonn – mit steter Naturvernichtung u. a. – vorgehen.
    Wichtiger Einspruch gegen Behörden und Rat: Schluss mit dem Büro-Neubau-Boom (nunmehr mit vermehrt Wolkenkratzer/sog. Hochpunkten), der ununterbrochen Wohnneubaugebiete, Verdichtung, Mietverteuerung nach sich zieht. Schluss mit dieser zerstörerischen Spirale.
    2. Politik, Behörden arbeiten immer mit gezinkten Karten. Wissenschaftler Flybjerg im WCCB-Prozess: In Bonn herrscht eine Kultur der Fehlinformation“ Also Vorsicht vor Manipulation, Beschönigung, Vertuschung, Falschbehauptungen usw.seitens Stadt u. Politik.
    3. Neubau mit Premium Blick auf leichtbekleidete Menschen/Frauen. Ist sowas nicht sittenwidrig? Da steht doch wie in den Hochhäusern von New York bald in jeder Wohnung ein Teleskop…
    4. Die Trickkiste der Baufirmen, Investoren, Stadt und Politik enthalten kleine bauliche Zugeständnisse ohne Wert, Beschönigungen, z. B..in Form manipulierter Visualisierungen, die wie in Urlaubs Katalogen mit verzerrender Optik, falschen Abständen und verfälschter Umgebung einhergehen.

    P. S. Ich habe 10 Jahre lang mit der Analyse von Neubauvorhaben seit dem Rheinlogen Neubau diese manipulative bis dreist gesetzwidrige Vorgehensweisen der drei Hauptakteure – Stadt/OB, Rat, Investoren kennengelernt.

  2. Man hat ein akutes Problem mit fehlenden Sozialwohnungen in der Stadt. Nun nimmt man hier eine von Experten ausgewiesene Fläche die gut geeignet scheint und für die eine Ruine (altes Restaurant) weichen soll. Man baut höher, keine Frage und es wird der ein oder andere Baum fallen. Besser jedoch dass dies hier geschieht, als wenn man auf stadtferne Flächen ausweichen muss, bei denen mehr Natur weichen müsste.
    Im Zuge werden Umkleidekabinen usw. saniert, das war längst überfällig! Gut, Geld war sowieso dafür vorsorglich zurückgelegt worden, jetzt wird hier allerdings noch erweitert investiert zusammen mit der Vebowag. Das wird dazu führen das Gelände allgemein für Investitionen interessanter zu machen – eine win-win Situation.
    Stichwort Spanner: Glauben Sie ernsthaft, dass dort Leute hinziehen werden die sich dabei beglücken Menschen beim Schwimmen zu beobachten? Möglich wäre das. Möglich ist das genauso, wenn man sich eine Eintrittskarte ins Bad kauft und sich an eine versteckte Position begibt. Ich sehe kein erhöhtes Risiko. Man wird auch keinen Blick in Umkleidekabinen haben, wie soll denn das möglich sein? `
    Schade auch, dass hier das Vertrauen in die Menschen nicht groß ist – ich selbst habe Vertrauen in meine Mitmenschen und erwarte Bewohner die dort ganz normal wohnen und sich vielleicht mal daran erfreuen, dass sie einen Blick auf das kühle Wassererlebnis haben. Für Familien, die dort hinziehen würden auch ideal! Was für eine Freude für die Kinder.
    Der Vergleich auch mit dem WCCB hinkt stark. Denn hier ist der Grund der betrügerische Investor gewesen. Die VEBOWAG ist kein betrügerischer Investor sondern ein vertrauensvoller Partner geworden. Viele Bauprojekte wurden problemlos realisiert, die Stadt ist zufrieden mit der Zusammenarbeit. Woher also das Misstrauen?

    Übrigens wird es für die gefällten Bäume voraussichtlich ausgleichende Maßnahmen geben, bei denen andere Flächen aktiv begrünt werden, um einen naturschützenden Ausgleich zu schaffen. Alte Bäume mag man nicht direkt ersetzen können. Wohnungen für Wohnungssuchende kann man leider aber auch nicht in der Luft bauen.

  3. Sehr geehrter Herr Weichselbaum ,
    vielen Dank für Ihren sehr interessanten Kommentar. Er wirft bei uns sehr viele Fragen auf, die Sie uns vielleicht beantworten mögen: Wieso hat sich Ihre Partei DIE GRÜNEN bei anderen Bauprojekten, wie z.B. an der Schumanns Höhe, gegen die Möglichkeit ausgesprochen, hier den dringend benötigten geförderten Wohnraum zu schaffen, in der Kaltluftschneise im Melbbad möchten Sie aber gerne so viele wie möglich bauen?
    Wie kommen Sie zu der Aussage, das Restaurantgebäude im Melbbad sei eine Ruine? Nach unserem Kenntnisstand können die Gebäude, die den Charme des Bades ausmachen und von dem namhaften Bonner Architekten Toni Kleefisch perfekt auf die Bedürfnisse und die Lage des Freibades konzipiert wurden, problemlos saniert werden. Die Verwaltung hat bisher weder eine Kostenprüfung für eine Sanierung im Bestand, noch eine Prüfung der entstehenden Kosten für den geplanten Wohnkomplex durchgeführt. Wir müssen davon ausgehen, dass eine Sanierung der Bestandsgebäude mit Sanitäreinrichtungen und Umkleiden die Stadt Bonn erheblich günstiger käme, als die KOMPLETTE NEUAUSSTATTUNG eines Freibades, wie sie im Zuge des kompletten Abrisses und Neubaus mit dem geplanten Bau erfolgen müsste.

    Warum wirbt Ihre Partei im aktuellen Wahlprogramm damit „kleine und große Freiflächen zu erhalten, Frischluft-Schneisen und Kaltluftentstehungs-Gebiete bei zukünftigen Planungen zu schützen und neu zu schaffen und versiegelte Flächen zu entsiegeln, wo es möglich ist“ – die zusätzliche Versiegelung, Verdichtung und Rodung in einem Kaltluftenstehtungsgebiet wird im Fall Melbbad allerdings bagatellisiert? Bäume an anderer Stelle gleichen das Fehlen der kaltlufterzeugenden Botanik am Melbbadhang keineswegs aus und kompensieren auch nicht die zusätzliche Erhitzung durch den enormen Baukörper, der die Luft an dieser Stelle stattdessen aufheizen wird. Dass die Kaltluftzufuhr durch diese wichtige Frischluftschneise Richtung Innenstadt durch den blockierenden Wohnkomplex mindestens um 10% geringer ausfallen wird als bisher, stellt ja sogar schon das – durch die Klimaleitstelle Bonn in Frage gestellte – Klimagutachten fest. Warum wird auch das von den GRÜNEN weiterhin ignoriert?
    Äußerst interessant finden wir die Frage, welche weiteren Investitionen auf dem Melbbadgelände „interessanter“ würden, wenn am Beckenrand ein riesiger Wohnkomplex entstünde? Könnten Sie dies bitte näher ausführen?
    Des Weiteren ignorieren Sie in Ihrem Kommentar völlig, dass zu erwartende Lärmklagen durch künftige Bewohner*innen völlig berechtigt und absolut nicht auszuschließen wären. Wo sehen sie hier eine „win-win“-Situation?
    Waren Sie schon einmal selbst im Melbbad, um sich die zu erwartenden Dimensionen und die dadurch völlig veränderte erdrückende Atmosphäre durch den geplanten Wohnkomplex mit 110 m Länge und 21,9 m Höhe, der mit seinem Vordach bis auf 16 m an den Beckenrad rücken würde, vorzustellen? Wie wollen Sie verhindern, dass schon allein durch diesen enormen Wettbewerbsnachteil das Bad über kurz oder lang nicht doch geschlossen werden müsste?
    Hegen Sie Ihrerseits keinerlei Misstrauen bei einem Projekt, bei dem keine einzige Frage zu den zu erwartenden enormen Mehrkosten auf Grund von Hangrutschungen, Altlasten, Pfahlgründungen, Schäden an Beckenanlagen u.v.m. beantwortet werden kann? Nach unseren Informationen haben andere Inverstoren bisher aus genau diesen Gründen hier NICHT gebaut. Auch die Vebowag baut übrigens nicht selbst, sondern beauftragt Baufirmen.
    Über eine differenzierte Antwort von Ihnen würden wir uns sehr freuen.

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